Do's and Don'ts - Vorbereitung auf ein Job-Interview
Stellen Sie sich folgende Situation vor:
Montag, früher Nachmittag, Ihr Handy läutet. Am anderen Ende der Leitung meldet sich ein renommiertes Executive Search Unternehmen und möchte mit Ihnen über eine interessante Position und Ihr Interesse an einem Jobwechsel sprechen. Was tun Sie?
Zu allererst stellen Sie sicher, dass Sie frei und ungestört telefonieren können. Checken Sie auch, um wen es sich bei dem Anrufer handelt. Kennen Sie das Unternehmen?
Wenn Sie unsicher sind, vereinbaren Sie einen späteren Telefontermin und recherchieren Sie in der Zwischenzeit die Professionalität und den Ruf des Unternehmens, das Sie hier für einen Klienten abwerben möchte.
Bereiten Sie sich auf dieses zweite Telefonat gut vor. Was wollen Sie gleich zu Beginn wissen, was sind die fünf wichtigsten Kriterien anhand derer Sie entscheiden, sich Zeit für das Interview mit einem Executive Searcher zu nehmen? Aber bedenken Sie, dass auch die andere Seite vieles über Sie wissen will und Kriterien im Hintergrund hat, nach denen entschieden wird, ob das Interesse an Ihnen steigt oder sinkt.
Am Ende des Telefonats werden Sie bei beiderseitigem Interesse aufgefordert werden, Ihren CV zu übermitteln. Der CV ist das Brot des Headhunters. Ein Telefonat ist wichtig, das persönliche Interview selbstverständlich auch, aber der CV ist das wichtigste Schriftstück für den weiteren Prozess.
Es empfiehlt sich daher, immer einen aktuellen CV vorbereitet und versandfertig abgespeichert zu haben – sowohl in der eigenen Sprache als auch in Englisch. Gut lesbare und aussagekräftige CV’s sind kurz und übersichtlich. Auch wenn Sie auf eine lange und stationsreiche Karriere zurückblicken, stellen Sie diese in max. zwei bis drei Seiten dar. Darüber hinaus legen manche Consultants Wert auf ein aussagekräftiges Foto. Professionelle und aktuelle Fotos sollten Sie daher auch immer griffbereit haben.
Auf Basis der Infos aus dem CV und dem Telefonat entscheidet der Headhunter dann, ob Sie zu einem Interview eingeladen werden oder nicht. Sollte es gleich zu einer Absage kommen, nehmen Sie es nicht persönlich. Das erste Herantasten eines Consultants hat den Sinn, mehr Informationen über Sie zu bekommen. Die Chance, dass der Tipp oder die Empfehlung eines anderen Menschen tatsächlich mit dem Profil für eine offene Position übereinstimmt, ist unter 50 %. Sehen Sie es als einen guten Kontakt, der sich vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt bezahlt machen wird.
Im angelsächsischen Raum sowie den USA haben Headhunter ein ganz anderes ‚Standing’ im Business als im deutschsprachigen Raum, wo sie oft misstrauisch beäugt werden. Manchmal werden ihnen undurchsichtige Methoden und mehr Macht als tatsächlich vorhanden angedichtet. Verlieren Sie also dieses Misstrauen und lassen Sie sich darauf ein; qualifizierte Berater im eigenen Netzwerk zu haben, schadet nie.
Sollten Sie zu einem Interview eingeladen werden, lassen Sie sich nicht zuviel Zeit mit der Terminvereinbarung. Ist Ihr Interesse ernst, dann bedenken Sie, dass Executive Searcher timelines einzuhalten haben und ihren Klienten bis zu einem Stichtag einige Top-Kandidaten präsentieren wollen, die nicht nur fachlich, persönlich und zu den Rahmenbedingungen passen, sondern die auch wechselbereit und höchst interessiert an einer neuen beruflichen Herausforderung sind.
Das Interview:
Bereiten Sie sich - soweit es Ihnen möglich ist - auf das Interview vor. Kennen Sie schon das Unternehmen, für das gesucht wird? Was wissen Sie über die Branche, das Produkt, den Bereich, das Land, die Region?
Bereiten Sie sich weitere Fragen vor, deren Klärung für das Aufrechterhalten Ihrer Neugierde und Ihres Interesses an der offenen Position notwendig sind.
Seien Sie diskret bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber. Halten Sie sich bedeckt, wo Sie hingehen, an welche Adresse Sie fahren oder mit wem Sie einen Termin haben. Die Welt ist klein und sogar Hinweise auf die Straße können zu unliebsamen Schlussfolgerungen führen.
Lernen Sie nichts auswendig. Selbst wenn Sie in Ihrer bisherigen Berufslaufbahn erst wenig Kontakt zu Headhuntern hatten oder auch erst wenige Bewerbungsgespräche zu absolvieren hatten, kaufen Sie sich keinen Ratgeber für das Jobinterview oder - falls doch - nehmen Sie die Tipps bitte nicht allzu ernst. Executive Searcher bevorzugen authentische Kandidaten, die Ihre Ausbildung, Ihre beruflichen Schritte, Ihre Erfolge und Misserfolge einfach erzählen ohne darauf zu achten, was das Ratgeberbuch an nichtssagenden Floskeln auf bestimmte Fragen vorschlägt.
Gehen Sie in Gedanken Ihrer Motivation auf den Grund. Wären Sie an einem höheren Gehalt, mehr Verantwortung, mehr People Management, einem neuen Produkt, einem neuen Gebiet interessiert? Was lockt Sie zu dem Gespräch? Oder wollen Sie nur wissen, welche Alternativen es zu Ihrer aktuellen Position gibt?
Seien Sie ehrlich, wenn Sie danach gefragt werden, wobei die Ehrlichkeit auch ihre Grenzen hat. Mit der Antwort: „Machen Sie mir ein attraktives Angebot, damit ich mal wieder meinen aktuellen „Marktwert“ kenne“, kicken Sie sich selbstverständlich gleich wieder aus dem Prozess und verärgern damit auch noch den Consultant. Für so ein Ansinnen vergeuden Sie bitte nicht die Zeit des Beraters!
Spätestens im Interview sollten Sie das Unternehmen erfahren, für das der Executive Searcher sucht. Sollte man Ihnen diese Information vorenthalten, werden Sie misstrauisch und lassen Sie sich eine gute Erklärung für dieses Übermaß an Diskretion geben. Verbleiben Sie am Ende des Interviews mit einer time line für „next steps“.
Da Sie nicht wissen, zu welchem Zeitpunkt des Projektes Sie kontaktiert wurden, kann es sehr schnell weitergehen oder auch noch einige Wochen dauern. Halten Sie sich Zeitfenster frei, in denen Sie weitere Gespräche vereinbaren können. Sollten Sie der Top-Kandidat sein, werden Sie noch mindestens zwei bis drei weitere Interviewrunden zu absolvieren haben.
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